Schlosskirche

Schlossherrin v.Löwendal ließ im Jahr 1746 die Schlosskapelle als Kirche für die Einwohner von Schlossbezirk und Gut errichten. Das ungewöhnliche Äußere der Kirche erklärt sich als Gegenüber einer Orangerie im ehemals repräsentativen Schlosshof. Die Umrisse des nicht mehr vorhandenen Schlosses sind durch eine Bepflanzung im angrenzenden Schlosspark angedeutet. Das Kirchengebäude wird durch einen Dachreiter mit Uhr und Glocke und zwei vergoldete Kreuze auf den Dachspitzen ausgewiesen. Auf der Südseite gibt es eine Sonnenuhr. Bei den umfangreichen Erhaltungsmaßnahmen des Gebäudes 2004 bis 2009 sind die Dachgauben wieder hergestellt worden.

Das Innere der Kirche macht die enge Beziehung der Schlossherrschaft zum Dresdner Barock deutlich. Der von den äußeren Maßen bedingte sehr nüchterne Innenraum wird durch die Holzeinbauten freundlich. Er vermittelt Geborgenheit und Wärme Geschwungene Formen heben alle Starrheit auf. Die sparsame Vergoldung unterstreicht als Schmuckelement würdevoll den lichten Charakter des Raumes. Zur Ausstattung der Kirche gehört eine hölzerne Taufe und eine Kreuzigungsgruppe aus weißem Meißner Porzellan (Kändler), die seit der Sanierung der Kirche wieder zu besonderen Anlässen auf dem Altar zu sehen ist.

Geschichte

Woldemar Freiherr von Löwendal (1660–1740), königlich-polnischer kurfürstlich-sächsischer Oberhofmarschall, wirklicher Geheimrat und Kabinettsminister, kursächsischer Oberbergrats-Direktor zu Dresden, erwarb 1711 das Rittergut Mückenberg (heute Lauchhammer-West) und überließ es ganz seiner zweiten Ehefrau Benedicta Maragareta von Rantzau, die 1716 nach Mückenberg kam.

Freifrau von Löwendal war eine fromme und tatkräftige Herrin. Sie gilt als Begründerin des Industriestandortes Lauchhammer. Bereits 1722 ließ sie die Pfarrkirche ihres Bereichs in Bockwitz (heute Lauchhammer-Mitte) erweitern und erneuern. Dann gestaltete sie auch ihr Schloss in Mückenberg um und ließ 1746 die Schlosskapelle als Kirche im Schlossbezirk so errichten, dass ihre Mückenberger mit ihr eine eigene Gottesdienststätte bekamen. Bisher waren diese immer bis nach Bockwitz unterwegs.

Nach dem Äußeren wurde die Schlosskirche dem Ensemble von repräsentativem Eingangsbereich des Schlosses und gegenüberliegender Orangerie angepasst. Das erklärt den würfelförmig wirkenden Teil für den Altarraum mit dem anschließenden niedrigeren Kirchenschiff, die geraden Fensterfronten und den kleinen Dachreiter, der als Uhren- und Glockenträger dient.

Das für eine Kirche ungewöhnliche Äußere fällt heute mehr auf, seit das Schloss nicht mehr existiert – es brannte kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges völlig aus, die letzten Ruinen wurden 1969 abgetragen. Die Bepflanzung mit einer Hecke soll die Umrisse des einstigen Gebäudes zeigen. Die auf dem Schlossvorplatz der Kirche gegenüber liegende Orangerie war 2005 erfolglos mit der Hoffnung auf Restaurierung verkauft worden. Der neue Eigentümer hielt sich nicht an seine damaligen Zusagen und ist jetzt schwer aufzufinden.

Die Schlosskirche wurde wahrscheinlich erbaut von Julius-Heinrich Schwarze (1706-1775), dem Erbauer des Coselpalais in Dresden (1765) gegenüber der Dresdener Frauenkirche (1737). Die Stilmittel des so genannten „Dresdner Barock“ sind auch für das Innere unserer Kirche bestimmend. Man erkennt z.B. die klare Gliederung der Fenster vor den Patronatslogen im Altarraum. Ihr Glas erzeugt eine besondere Streuung des Lichtes. Überhaupt ist der gesamte Innenraum sehr hell und freundlich. Er ist in leuchtenden warmen Farben gehalten mit dezenten aber deutlichen Vergoldungen.
Alle Holzeinbauten weisen geschwungene Formen auf, die sich von der Rückwand des Altarraumes über den Altartisch und die Altarstufen bis hin auf die Bänke und die Emporen fortsetzen.
Die Taufe gehört ganz in diesen Raum, sie nimmt seine Formen, Farbe und Vergoldung auf. Die Taufschale hat die gemeinsamen geschwungenen Formen.

Zur Kirche gehörte auch eine Orgel, von der der Prospekt bis heute erhalten ist. Der ursprüngliche Orgelbauer ist nicht bekannt. Am 10.12.1850 wurde der Orgelbauer Carl Zimmermann aus Peitz beauftragt, die Orgel zu überholen und wieder neu instand zu setzen. Er verwendete auch Orgelteile aus Liebenwerda, wo Christian Friedrich Raspe gerade mit dem Orgelbau begonnen hatte. Dieser soll die Reparatur und Rekonstruktion der Orgel 1863 abgeschlossen haben, für einen Preis von 300 Talern. Möglicherweise war der Peitzer Orgelbauer inzwischen erkrankt (sein Sterbedatum wird nach 1864 angegeben).

Während des 1. Weltkrieges wurden am 4. Juli 1917 sämtliche Orgelpfeifen eingeschmolzen. Die nächste gründliche Restauration ist 1939 durch die Orgel-baufirma Vogt aus Liebenwerda dokumentiert. Die Orgel wurde in den Registern ergänzt, gründlich gereinigt, neu intoniert.

50 Jahre später wurde die Orgel wegen Wurmbefalls demontiert und bis auf den Prospekt und die Pfeifen entsorgt. Ihr schlechter Zustand hatte über 35 Jahre lang hohe Kosten für jährliche Reparatur- und Wartungsarbeiten verursacht. Ein neuer Orgelbau wurde bereits seit 1986 angestrebt.

Spenden

Wir sammeln, um die Orgel für unsere schöne Schlosskirche wieder herzustellen. Über jedwede Unterstützung sind wir sehr dankbar

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